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Letztlich verknüpfe ich immer mehr Gedanken mit den Prinzipien von AoH. Das Buch, das ich gerade lese, handelt von "Gruppenkontrasteffekten" und wie gerade sie, hauptsächlich, das Verhalten von Gruppen bestimmen.
Jede Gruppe hat so ihre Besonderheit: Die einen spielen Musikinstrumente, die anderen malen Wände originell an, weitere schreien gerne bei Fußballspielen und ein paar tragen gerne Bart.

Was sie alle gemeinsam haben, ist eine golden Regel, die sie zu dem macht, was sie sind. Sozusagen eine Norm, ein Richtwert, eine Überzeugung, die sie von anderen Gruppen unterscheidet. Solche Gruppierungen beginnen schon im Kindesalter in Form von Geschlechtertrennung und Alterstrennung. Schon 5-jährige wissen, welchem Geschlecht sie angehören und dass die Eltern nicht ihrem Alter entsprechen.

Um auf den Punkt zu kommen: Das wichtigste Prinzip von AoH ist die Festlegung des Purpose, ohne dem wir niemals zu EINER Gruppe verschmelzen würden. Meetings schlagen deshalb oft fehl, weil Menschen aus differenzierten Gruppen zusammenkommen und in der neuen Gruppe keine Anbindung zu einem höheren Purpose finden. Auch wir vom AoH-Training kamen in Form "verschiedener Musikinstrumente mit ihren eigenen Tonleitern". Erst die gemeinsamen Aktivitäten und vor allem der gemeinsame Purpose haben uns Instrumente eingestimmt und aufeinander angepasst, so dass wir gemeinsam harmonieren konnten. Schaut, wie schnell unsere Gruppe eine Einheit wurde und wie stark wir uns untereinander beeinflusst haben. Ohne gemeinsamen Purpose wäre diese Form der Nähe nie (so schnell) zustande gekommen.

Meine Überlegungen dazu kamen mir plötzlich in den Sinn. Erich Fromm in seinem Buch "Authentisch Leben" beschreibt Spontanität als authentisches Darsein. Nicht alles mag korrekt sein, was den Mund spontan verlässt. Doch IM Moment ist es meine Wahrheit, die ich gerne mit euch teile. Was auch immer damit passieren mag.

Hier der Purpose vom 1. AoH-Training in Vorarlberg letztes Jahr:

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Replies to This Conversation

Hallo Stefan,

ich sitze gerade am Wiener Westbahnhof und genieße die Wartezeit, in der ich deinen Beitrag lesen kann.

Dein Titel ("purpose" magnetisiert und gruppiert Menschen) erinnert mich an die Themenzentrierte Interaktion (TZI) von Ruth Cohn mit der ich mich seit über 10 Jahren intensiv beschäftige. Die TZI geht davon aus, dass es in einer Gruppe dann zu einem "Lebendigen Lernen" kommt, wenn vier Faktoren sich in einer stimmigen, dynamischen Balance befinden: die Anliegen der einzelnen TeilnehmerInnen (ICH), die Dynamik der Gruppe (WIR), die Sachebene (ES) und die relevanten Einflüsse aus der Umwelt (GLOBE). Wenn TZI-GruppenleiterInnen ein Treffen vorbereiten, suchen sie mit Rücksicht auf diese 4 Faktoren ein gemeinsames THEMA, das von der Wirkung her ganz ähnlich beschrieben wird wie der "gemeinsame Zweck" und die "gute Frage".  Das ist beim TZI so zentral, dass es sogar zum Namen dieses Handlungskonzeptes wurde.

Ich habe mich immer wieder gefragt, ob die Erwartung an die Wirkung des Themas in der TZI nicht etwas überhöht ist. Das AoH bestärkt mich, in meiner Beratungs-, Moderations- und Leitungsarbeit zukünftig doch mehr Augenmerk darauf zu legen. 

Ergänzend zum AoH finde ich in der TZI die verschiedenen Dynamiken der WIR-Prozesse sehr realistisch reflektiert. Mir ist bei beiden Trainings in Batschuns und Bregenz die hohe Emotionalität und das große Wohlwollen aufgefallen. Ich habe mich beide Male sehr gut in die Gruppe aufgenommen gefühlt, obwohl ich jeweils nur ein paar Menschen gekannt habe. Bei mir ist ein Grundvertrauen entstanden, dass es mir erleichtert hat, mich zu öffnen und über meine "Herzensfragen" zu sprechen. Bei einer längeren Zusammenarbeit würde es aber wohl - wie in jeder Gruppe - zu Konkurrenz- und Konfliktsituationen kommen. Meiner Meinung nach braucht es das auch zur Klärung von längerfristigen Beziehungen. Ist das bei AoH vorgesehen? Was meinst du?

Oder bin ich in einer AoH-Gruppe nur solange dabei, wie mir der von der Kerngruppe vorgeschlagene "Gemeinsame Zweck" voll entspricht? Suche ich mir in so einer Situation einfach die nächste, passende Gruppe oder bilde selber ein Core-Team?

Ich merke, dass für mich in meiner Beziehung zu AoH jetzt die Zeit der Fragen beginnt. Und das ist gut so. Ich bin auf den "ungläubigen Thomas" getauft und der war in aller Begeisterung ein begnadeter Frager ;-)

Hallo Thomas!

Toll, wie du deine Gedanken auf den Punkt bzw. zum Smiley geführt hast. Ich habe deine Sichtweise auf das Thementopic und einiges Neues erfahren dürfen.

Die TZI war mir bis jetzt ein unbekanntes Unternehmen. Ich werde mich darin einlesen, um mehr über seine Methodiken kennen zu lernen. Eine Gegenüberstellung mit AoH scheint Ähnlichkeiten aufzuweisen. Das Schema der WIR-Prozesse ist z. B. unter den Methoden des AoH zu finden.

Ich glaube, dass AoH auch für längerfristige Beziehungen eine Lösung hat. Sagt dir der Begriff "Communities of Practice" etwas? "Um wirklich systemverändernd arbeiten zu können, braucht es Zweckgemeinschaften, die längerfristige Prozesse zusammenhalten und steuern können" lautet es im AoH Handbuch. Wichtig dabei sind die Aspekte der Freiwilligkeit, des Vertrauens, der Selbstorganisation und des Zugehörigkeitsgefühls.

Zu deiner Frage, ob du so lange in einer AoH-Gruppe bist, wie dir der von der Kerngruppe vorgeschlagene "Gemeinsame Zweck" voll entspricht, kommen mir die "Chaordic Stepping Stones" in den Sinn. Hier ein Bild mittels Graphic Recording vom Batschuns Training im Oktober '11:
Dir steht es jederzeit frei, eine Gruppe zu verlassen und in eine neue zu wechseln. Wird der "Gemeinsame Zweck" in Frage gestellt, ist dies jedoch zu beachten. AoH spricht von lebendigen Systemen, die sich stetig verändern (von der Umwelt beeinflusst) und deswegen nicht auf fixen Lösungen beruhen. Die ständige Frage im Raum ist, was dem System und den kreativen Menschen darin die dynamische Balance gibt. Eine Arbeitsgruppe sollte sich jederzeit bewusst sein, dass vielleicht schon der nächste Tag vollkommen neue Wege für sie einschlägt. Als reales Beispiel fällt mir momenentan die Situation der Kirche ein: Sie ist gerade in tiefester Sinnfindung "gefangen". Die Kritik lässt nicht nach und immer mehr drehen der Kirche den Rücken zu. Sie muss ihren Zweck neu (er-)finden. Da er den Kern des gesamten Konstrukts Kirche ausmacht, muss sich darüber wahrscheinlich ALLES mitverändern. Nach den  "Chaordic Stepping Stones" fällt das Wort "wahrscheinlich" weg und eine Veränderung des "Purpose" zieht eine komplette Umstrukturierung der darüberliegenden Elementen nach sich.

Bitte stell die dringenden Fragen, die dich und uns tiefer in die Materie AoH eintauchen lassen. Ein fragender, ungläubiger Thomas kann sehr viel positive Spannung in eine Diskussion bringen!

Hallo Stefan,

danke für deine Gedanken, die mich in meinen Fragen weiter bringen.

Mich fasziniert, das im AoH mit der FREIHEIT der Menschen gerechnet wird. Am stärksten kommt das für mich im OpenSpace mit seinem "Gesetz der 2 Füße" zum Ausdruck. Da spüre ich auch ein großes Vertrauen, dass die, die sich um einen angebotenen "Gemeinsamen Zweck" versammeln, jetzt die Richtigen sind, um einen guten Schritt auf diesen Zweck hin weiter zu kommen.

Wieder eine kleine Brücke zum TZI: Hier gilt das "Chairperson-Prinzip". "Leite Dich selbst bewusst: Sieh nach innen, wie es in Dir aussieht, was Du möchtest und sollst. Und nach außen, was es dort gibt, und entscheide zwischen allen Gegebenheiten, was und wie Du etwas tun willst." (Ruth Cohn) ... oder auch sein lässt ;-)

Und noch ein Gedanke zum Verhältnis von Harmonie und Konflikt in der AoH-Gruppe: die mir in der Gruppenentwicklung so wichtige Phase des "storming" passt für mich gut in das Konzept der 6 Atemzüge --> "Knirschphase". Das braucht es sicher, wenn die Hosts der Pluralität in der Gruppe gerecht werden wollen.

Für die Kirche stellt der gesellschaftliche Wandel in Richtung mehr Pluralität, mehr Individualität, ... eine sehr große Herausforderung dar. Die "Versöhnung mit der Freiheit der Menschen" wird in einer Organisation, die die Aufgabe der Einheit seit 1800 Jahren mit Lehramt und Hierarchie (--> Experten und Leitung)  löst, noch länger dauern. Der kleine Sauerteig, der das über die Jahrzehnte möglich machen wird, ist vielleicht das Vertrauen, dass diese Freiheit, diese Pluralität ein Hinweis auf die überbordende Kreativität einer schöpferischen Kraft ist, die wir Gott nennen.

Soviel für heute. Vielen Dank für den anregenden Austausch!

 

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